Haysche Trennkost
Der amerikanischen Arzt Howard Hay (1866-1940) hat die Haysche Trennkost entwickelt. Dabei sollen eiweißreiche und kohlenhydratreiche Lebensmittel getrennt verzehrt werden, also nicht zusammen während einer Mahlzeit.
Nach Hay sollen Kohlenhydrate und Eiweiß nicht zusammen gegessen werden, weil sonst die Verdauung beeinträchtigt ist.
Diese Theorie beruht auf längst überholten Ansichten. Unser Körper ist dafür geschaffen, beide Nährstoffe gleichzeitig zu verdauen. Die Kohlenhydratverdauung beginnt im Mund, findet aber hauptsächlich im Dünndarm statt. Die Eiweißverdauung beginnt im Magen und wird ebenfalls im Dünndarm fortgesetzt. Es gibt also keinen Grund auf geliebte Kombinationen wie Brot + Käse oder Kartoffeln + Fleisch zu verzichten. Viele Nahrungsmittel enthalten außerdem Kohlenhydrate und Eiweiß, z.B. Kartoffeln, Getreide, Milch etc., sogar die Muttermilch. Sie wäre nach Hay nicht zu empfehlen.
Die Trennkost ist nicht zum Abnehmen geeignet, da Kalorien nicht verschwinden, durch die bloße Trennung der Nährstoffe. Es ist nicht ausschlaggebend, wann welche Nährstoffe gegessen werden, sondern wie die Kalorienbilanz am Ende des Tages aussieht: Haben Sie mehr oder weniger Kalorien aufgenommen, als Sie verbraucht haben? Einige Menschen nehmen durch Trennkost tatsächlich ab, das liegt aber einzig und allein an der Tatsache, dass sie ihre Nahrung bewusster auswählen und dadurch weniger essen.
Hay empfiehlt eine Vollwert-Ernährung. Sie ist aus ernährungspysiologischen Gründen sehr zu begrüßen und ist weit entfernt von den Empfehlungen mancher Pseudo-Hays: Sie können essen, was Sie wollen, Sie müssen nur Kohlenhydrate und Eiweiß trennen.
Hay empfiehlt allerdings zu wenig Getreideprodukte, Hülsenfrüchte und Milchprodukte, dadurch kann es langfristig u.a. zu einem Mangel an Calcium und Magnesium kommen.
Die Trennkost nach Hay soll einer Übersäuerung des Körpers entgegenwirken.
Eine Übersäuerung ist nach Hay verantwortlich für viele Krankheiten, z.B. Krebs, Osteoporose, Harnsteine, Rheuma, Migräne, Schlaganfall und Herzinfarkt.
Die Ursachen für einen Säureüberschuss im Körper sind nach Hay:
- Verzehr von stark verarbeiteten, unnatürlichen Produkten, z.B. geschälter Reis, Konserven, raffinierter Zucker, Mehl, welches nicht aus dem vollen Korn gemahlen wurde. Diese Nahrungsmittel sind nährstoffarm und stark säurebildend, da sie zu Kohlensäure aubgebaut werden.
Anm. der Verfasserin: Die o.g. Lebensmittel sind in der Tat nährstoffarm, aber Kohlensäure hat keinen Einfluss auf das Säure-Basen-Gleichgewicht im Körper, weil sie sofort zu Wasser und Kohlendioxid umgewandelt wird, Letzteres wird über die Lunge ausgeatmet.
- Zuviel an eiweiß- und kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln. Beim Eiweißabbau entsteht giftiges Ammoniak. Der Körper macht es unschädlich durch die Umwandlung in Harnsäure. Zuviel Eiweiß kann deshalb zu Harnsäure- und Harnsteinbildung sowie Rheuma und Gicht führen. Eiweißhaltige Lebensmittel sind nach Hay säurebildend. Beim Abbau von Kohlenhydraten entsteht Kohlensäure, die den Körper übersäuern kann. (Anm. siehe oben)
Anm.: Viel tierisches Eiweiß aus Fleisch, Wurst, Fisch und Käse und wenig Obst und Gemüse erzeugt im Körper tatsächlich einen leichten Säureüberschuss. Normalerweise werden überschüssige Säuren über die Lunge, die Leber und über die Nieren ausgeschieden. Stoßen die Nieren aber an ihre Kapazitätsgrenze, wird die Calciumausscheidung erhöht, der pH-Wert des Harns sinkt und das Risiko für Osteoporose und Harnsteine steigt. Die Nierenfunktion lässt im Alter nach, deshalb sollte besonders dann auf eine ausreichende Zufuhr von basisch wirkenden Lebensmitteln geachtet werden (Basen neutralisieren Säuren).
Basisch wirken: Obst, Gemüse, Fruchtsäfte v.a. Zitrussäfte
Säurebildend sind: tierisches Eiweiß aus: Fleisch, Wurst, Fisch, Käse, Bier, phosphathaltige Getränke (z.B. Cola)
Ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt ist wichtig u.a. für die Stoffwechselprozesse im Körper. Deshalb wird der pH-Wert im Blut konstant gehalten.
(Der pH-Wert ist ein Maß für die Stärke der sauren bzw. basischen Wirkung einer wässrigen Lösung. pH-Wert 7=neutral; pH-Wert <7 = sauer; pH-Wert >7=basisch)
Der Körper kann überschüssige Säuren über die Lunge, die Leber und die Niere ausscheiden.
Lebensbedrohliche Störungen des Säure-Basen-Gleichgewichts können auftreten bei Erkrankungen der Lunge oder der Nieren, sowie durch Insulinmangel bei Diabetes. Dadurch können die Kohlenhydrate vom Körper nicht aufgenommen werden und er ist gezwungen aus Fettsäuren Ketonkörper zu bilden, um so u.a. die Gehirnfunktion aufrechtzuerhalten. Die Ketonkörper führen zu einer Übersäuerung des Blutes (Ketoazidose).
Kohlenhydratmangel kann auch durch Hungern oder Fasten entstehen.
Neu auf dem Markt ist die sogenannte Insulin-Trennkost. Nach dem Verzehr von Kohlenhydraten schüttet der Körper Insulin aus, um sie in die Zellen schleusen zu können. Ist viel Insulin im Blut, ist der Fettabbau behindert. Eine hohe Insulinausschüttung erfolgt nach zuckerhaltigen Lebensmittel und Getränken. Der Blutzuckerspiegel nimmt durch die hohe Insulinmenge stark ab, Heißhunger auf mehr Süßigkeiten ist die Folge.
Bei der Insulin-Trennkost sollen die Kohlenhydrate vor allem morgens gegessen werden, aber kein Eiweiß. Die Muskeln und das Gehirn benötigen Kohlenhydrate zur Energiegewinnung, deshalb ist ein kohlenhydratreiches Frühstück genau das Richtige.
Sie sollten dabei aber nicht auf eiweißhaltige Lebensmittel, wie Milch oder Joghurt verzichten. Das Frühstück sollte Vollkornprodukte, Milchprodukte und Obst oder Gemüse enthalten, damit der Körper seine Reserven auffüllen kann und Sie leistungsfähig in den Tag starten können.
Abends sollen keine Kohlenhydrate, sondern eiweißreiche Lebensmittel verzehrt werden. Denn nachts verbrennt der Körper keine Kohlenhydrate, sondern Fett und Eiweiß u.a. um Reparaturen vorzunehmen. Eine Kohlenhydratmahlzeit am Abend führt zu einer Insulinausschüttung, die wiederum diese Fettverbrennung blockieren würde.
Soweit die Theorie. Sie ist nicht falsch, aber die Höhe der Fettverbrennung nachts ist nicht zu vergleichen mit der Fettverbrennung, die regelmäßige Bewegung bewirken kann.
Desweiteren essen die Deutschen im Durchschnitt zu wenig Kohlenhydrate, was sich übrings in einem Heißhunger auf Süßes äußern kann. Die von der DGE empfohlene Menge kann nur schwer umgesetzt werden, wenn das Abendbrot kohlenhydratfrei bleibt. Es gibt auch keinen Grund, abends auf das Brot zum verzichten. Das Einzige, was Sie nicht machen sollten, ist spät abends Süßigkeiten oder große Mengen Obst zu essen. Brot, v.a. Vollkornbrot erzeugt nur eine gringe Ausschüttung von Insulin.
Die Empfehlung von 3 Hauptmahlzeiten hilft tatsächlich beim Abnehmen. Zwischen den Mahlzeiten sollten 3 besser 4 Stunden liegen. Die Mahlzeiten sollten so beschaffen sein, dass Sie erst nach 3-4 Stunden Hunger bekommen, d.h. Vollkornprodukte, eiweißhaltige Lebensmittel und viel Obst und Gemüse. Je nach Tagesablauf sind das dann 3 Hauptmahlzeiten und evtl. 2 Zwischenmahlzeiten. Zwischen diesen max. 5 Mahlzeiten sollten Sie nichts essen und keine gesüßten Getränke zu sich nehmen. Denn wenn Sie ständig etwas naschen, muss der Körper jedes Mal Insulin ausschütten und die Fettverbrennung ist blockiert. Ziel ist es, den Blutzuckerspiegel möglichst konstant zu halten, damit die Insulinausschüttung niedrig bleibt und kein Heißhunger entsteht.
Die Empfehlungen von Dr. Pape (Autor von “Schlank im Schlaf”) sind nicht ungesund. Wenn Sie möchten, probieren Sie aus, ob Ihnen diese Form der Ernährungsumstellung liegt. Wenn Sie abends von Heißhunger auf Süßes gequält werden, ist Ihr Körper unterzuckert und Sie sollten wieder Kohlenhydrate zum Abendbrot essen, wenn möglich aber aus Vollkorn.
Ich empfehle zum Abnehmen statt einer umständlichen und aufwendigen Trennkost, die Suche nach den Ursachen für das Übergewicht und die Umstellung auf eine gesunde Ernährung nach dem Motto: “Bewusst genießen”, ohne Hungern, strikte Verbote und starre Pläne.
1 Kommentar
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Von Anke Schneider, 28. Februar 2009 @ 18:12
Vielen Dank, Frau Fuchsmann, das hat mir auf jeden Fall weitergeholfen! LG*