Blähungen, Durchfall, Völlegefühl – was steckt dahinter ?
Hinter Verdaungsbeschwerden wie Blähungen, Durchfall und Völlegefühl steckt oft eine unerkannte Nahrungsmittelunverträglichkeit. Im Gegensatz zur Lebensmittelallergie kommt es bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (= Intoleranz) zu keiner Immunreaktion.
Die Erfahrung aus meiner Praxis zeigt leider, dass viele Ärzte/innen die nötigen Tests wegen Unwissenheit nicht durchführen und häufig eine falsche Diagnose wie z.B. Reizdarm stellen. Im schlimmsten Fall werden die Beschwerden der Patienten nicht ernst genommen und als psychische Erkrankung abgetan.
Die 3 häufigsten Lebensmittelintoleranzen sind:
Laktoseintoleranz
Die Laktoseintoleranz ist eine Milchzuckerunverträglichkeit. Der Milchzucker (Laktose) kann im Darm nicht gespalten werden, weil das nötige Enzym (Laktase) fehlt oder nur eingeschränkt arbeitet. Gelangt der Milchzucker ungespalten in den Dickdarm, produzieren die Darmbakterien Gase und organische Säuren, die zu Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und Übelkeit führen können.
In Deutschland leiden ca. 10 – 20% der Bevölkerung an einer Laktoseintoleranz.
Diagnose
Lassen Sie bei Ihrem Arzt/Ärztin einen Wasserstoffatemtest (H2-Atemtest) durchführen. Dabei trinken Sie eine Laktoselösung. Wird die Laktose im Darm nicht ausreichend gespalten, kommt es zu einem Anstieg des Wasserstoff-Gehaltes in der Atemluft, der im Anschluss gemessen wird. Bei einem Wasserstoff-Anstieg von mehr als 20ppm gilt die Diagnose Laktoseintoleranz als gesichert.
Ernährungstherapie
Meiden Sie laktosereiche Lebensmittel.
Dazu zählen:
- Milch und Milchprodukte:
Kuhmilch, Ziegenmilch, Schafsmilch, Buttermilch, Kefir, Molke, Joghurt, Frischkäse, Schmelzkäse, Eiscreme, Pudding, saure Sahne, Creme fraiche, Kondensmilch, Quark und Süßigkeiten mit Milchanteil.
Laktose wird vielen Lebensmittel zugesetzt. Lesen Sie alle Inhaltsstoffe von Fertigprodukten aufmerksam durch. Seit dem 25.11.2005 muss Laktose im Zutatenverzeichnis ausgewiesen werden.
Auch viele Medikamente enthalten Laktose als Trägersubstanz!
Wieviel Laktose Sie vertragen, richtet sich nach Stärke der Unverträglichkeit.
Fast überall sind inzwischen laktosefreie Milchprodukte im Angebot wie Milch, Joghurt, Quark und Frischkäse.
Hart-, Schnitt- und Weichkäse enthalten keine oder nur sehr wenig Laktose.
Sojaprodukte sind auch eine gute Alternative, da sie laktosefrei sind.
Um eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen, konsultieren Sie bitte eine Ernährungsfachkraft.
Fruktosemalabsoption
Bei der Fruktosemalabsorption kann die Fruktose (Fruchtzucker) nicht oder nur wenig vom Dünndarm aufgenommen werden, da der nötige Transporter (das “Fruktosetaxi” GLUT-5) nicht richtig funktioniert. Die Fruktose gelangt in den Dickdarm, wo er von den Darmbakterien zu Gasen und Fettsäuren abgebaut wird. Daraus resultieren Beschwerden wie Blähungen und Durchfall.
An einer Fruktosemalabsorbtion leiden circa 30% bis 40% der Bevölkerung. Sie kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
(Die Fruktosemalabsorption darf nicht mit der Hereditäre Fructoseintoleranz verwechselt werden, einer seltenen Krankheit, bedingt durch eine störung des Fruktosestoffwechsels.)
Wird eine Fruktosemalabsoprtion nicht rechtzeitig diagnostiziert, verschlechtern sich die Magen-Darmbeschwerden und es kann sogar zu Depressionen kommen, weil wichtige Stoffe über den Darm nicht mehr aufgenommen werden können z.B. Tryptophan.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt mit Hilfe eines Wasserstoffatemtests (H2-Atemtest). Zuerst wird der Wasserstoffgehalt der ausgeatmeten Luft morgens nüchtern gemessen, dann nach Trinken einer Fruktoselösung.
Ernährungstherapie
Nach einer Phase der fruktose- und sorbitfreien Ernährung (Sorbit verschlechtert die Fruktoseaufnahme), können sie mit kleinen Mengen beginnend austesten, welche Mengen ohne Beschwerden vertragen werden. Die Fruktosemenge kann so schrittweise erhöht werden.
Die Zugabe von Traubenzucker (Glucose) oder Milchprodukten zum Obst kann die Fruktoseaufnahme verbessern.
Fruktose kommt natürlicherweise in Obst vor, vor allem in Äpfeln, Birnen, Pflaumen und Weintrauben.
- Fruktosereiche Lebensmittel sind:
Trockenfrüchte, Obstsäfte, Marmelade, Milchprodukte mit Fruchtzubereitungen z.B. Fruchtjoghurt, Wein, Honig
einige Gemüsesorten wie Möhren, Pilze, Rotkohl, Weißkohl und Zwiebeln
Inulin besteht aus einer Kette von Fruktoseteilchen und sollte deshalb gemieden werden. Inulinreich sind Topinambur, Artischocken, Chicoree und die Zichorie, aus der Getreidekaffee hergestellt wird.
Fruktose und Sorbit werden vielen Lebensmittel zugesetzt, z.B. Diabetikerlebensmittel, Getränke (z.B. Wasser mit Geschmack), zuckerfreie Kaugummis, Diät- und Wellnessprodukte. Lesen Sie sich alle Zutatenlisten genau durch.
Fruktose verbirgt sich auch hinter folgenden Bezeichungen:
Fruchtzucker, Inulin, Fructoligosaccharid, Zuckeraustauschstoff, Maisstärkesirup
sorbithaltige Zuckeraustauschstoffe sind:
Sorbit (E 420), Mannit (E 421), Isomalt (E 953), Maltit (E 965), Laktit (E 966), Xylit (E 967), Zuckeralkohol
Sorbit ist auch z.B. in Vitaminbrausetabletten und Zahnpasta enthalten.
Haushaltszucker (Saccharose) besteht aus einem Teil Fruktose (Fruchtzucker) und einem Teil Glucose (Traubenzucker). In kleinen Mengen wird er recht gut vertragen. – So viel wie nötig, so wenig wie möglich. -
In der ersten Diätphase sollte aber auch auf diesen Zucker verzichtet werden.
Ziel der Ernährungstherapie ist die Senkung der Fruktosemenge auf ein gut verträgliches Maß. Eine obst- bzw. fruktosefreie Dauerernährung ist nicht nötig.
Wenden Sie sich an eine kompetente Ernährungsfachkraft, um die Gefahr eines Nährstoffmangels durch eine einseitige Ernährung auszuschließen.
Zöliakie
Zöliakie (glutensensitive Enteropathie, einheimische Sprue) ist eine chronische Entzündung des Dünndarms, ausgelöst durch eine Überempfindlichkeit gegen Gluten mit Antikörperbildung. Gluten ist ein Sammelbegriff für Eiweiße, die in Weizen, Dinkel, Grünkern, Hafer, Roggen und Gerste enthalten sind.
Noch ist unbekannt, wie und warum Gluten den Darm schädigt.
Symptome können sein: Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall. Die geschädigte Darmschleimhaut kann die Nährstoffe aus der Nahrung nicht mehr ausreichend aufnehmen, so dass es zu einem Mineralstoffmangel kommen kann v.a. an Calcium und Eisen.
Bei Kindern kann es auch zu Wachstumstörungen und einer Gewichtsabnahme kommen.
Zöliakie kann aber auch syptomlos verlaufen.
Um einer Zöliakie bei Kindern vorzubeugen sollte die Stillzeit 6 Monate dauern und glutenhaltiges Getreide in kleinen Mengen während dieser Zeit (4.-6. Monat) gefüttert werden.
Die Häufigkeit der Erkrankung liegt bei 1:500 bis 1:800 mit einer hohen Dunkelziffer. Die Erkrankung wird oft erst nach Jahren erkannt.
Wenn Sie den Verdacht haben, an Zöliakie erkrankt zu sein, drängen Sie Ihren Arzt/Ärztin zu den nötigen Untersuchungen:
Diagnose
Zuerst sollte eine Blutuntersuchung zum Nachweis der Antikörper erfolgen. Danach erfolgt eine Biopsie, die Aufschluss über den Zustand der Dünndarmschleimhaut gibt.
Die Diagnose Zöliakie ist erst gesichert, wenn Antikörper vorhanden sind, die Darmschleimhaut geschädigt und eine glutenfreie Ernährung die Bewerden bessert.
Vor und während der Diagnosefindung darf die Ernährung auf gar keine Fall glutenfrei sein, weil das die Ergebnisse verfälscht und eine eindeutige Diagnose sehr erschwert.
Ernährungstherapie
Der einzige Weg, beschwerdefrei zu leben, ist eine lebenslange, glutenfreie Ernährung.
Ausführliche Informationen zu glutenfreien Produkten und Alltagstipps erhalten Sie bei der Deutschen Zöliakie Gesellschaft.
Wenden Sie sich an eine kompetente Ernährungsfachkraft, um die Gefahr eines Nährstoffmangels durch eine einseitige Ernährung auszuschließen.
3 Kommentare
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Von Regina Schwabe, 10. Juni 2009 @ 12:52
Heißt dass, auch der Genuss von Fruchtsäften kann zu den beschriebenen Beschwerden führen?
Von Stefanie Fuchsmann, 18. Juni 2009 @ 18:26
Ja, Fruchtsäfte enthalten hohe Mengen Fruchtzucker (Fruktose).
Von Alexandra Daub, 10. November 2009 @ 09:09
Hallo,
wenn ich Quark esse, oder ein Glas Milch trinke, habe ich danach erst Bauchweh und dann richtig starke Blähungen, was einem natürlich auch echt peinlich ist. Kann man garnicht mit normalen Blähungen vergleichen. Diese passiert aber auch, wenn ich Süssigkeiten esse. Ich weiss echt nicht wo und wie ich das einordnen soll. Meine Ärztin will mich nicht zu einem Test schicken. Sie meinte nur ich sollte mal alles weglassen, und dann mit 3 Tagen Reis essen, dann Nudeln 3 Tage usw. Ich weiss echt nicht mehr weiter. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir vielleicht weiterhelfen könnten.